9 Gründe, warum wir Stille brauchen
Am 3. Jänner habe ich aufgehört, jeden Tag durch Social Media zu scrollen. In jeder Minipause, sofort das Handy in die Hand zu nehmen. Meinem Gehirn zu widersprechen, wenn es einen Instant-Dopaminschub durch bunte Bilder oder böse Diskussionen um heiße Luft verlangt. Seither hab ich, wenn ich gerade nichts zu tun hab, Stille. Anfangs fühlt sich das richtig taub und abgeschnitten an. Dann entsteht Unbehagen, dann Langeweile.
Und dann beginnt sich dieser Raum, der auf einmal da ist, zaghaft auszuweiten. Die Gehetztheit flaut ab. Es wird langsamer. Auf einmal ist da neue Tiefe. Ich fühle mich mehr da. Im Hier und Jetzt. Ideen schauen vorbei. Momente der Klarheit sind da. Und gehen wieder. Erkenntnis streift mich. Ich bin wieder mehr Ich.
Wir wissen nicht mehr, was wir wirklich wollen
Wenn wir uns tagtäglich von virtuellen Systemen vereinnahmen lassen, verlieren wir die Fähigkeit, uns selbst zu fühlen. Und wir wissen nicht mehr was wir wollen. Jeder Klick sagt dir, was du wollen sollst, jede Werbung verlangt deine Selbstoptimierung. Die Botschaften enden nie. Sie werden zu deinen Gedanken, höhlen deine Persönlichkeit aus und füllen sie mit zuckersüßem Schaum aus Bequemlichkeit, fremden Meinungen und Konsum.
Joe Turan sagt, dass wir dadurch nicht nur die Bedingungen für echte Gemeinschaft zerstören. Sondern, dass wir Menschen Raum brauchen, um überhaupt wissen zu können, was wir wirklich wollen.
Ohne Stille verwechseln wir die Wünsche anderer mit unseren eigenen. Stecken uns Ziele, die uns suggeriert werden. Werden uns selbst fremd.
Raum, um uns selbst zu hören
Jeder Post auf Social Media verspricht Wahlfreiheit, Individualismus, Selbstverwirklichung. Wir aber können uns selbst gar nicht mehr hören, weil wir in fremden Geschichten leben, die uns erklären, wer wir sind und wer wir sein sollen. Weil wir nicht mehr still werden können. Weil wir keinen Raum haben.
Deshalb brauchen immer mehr Menschen Therapie. Leiden unter Ängsten, Süchten und Erschöpfung. Suchen verzweifelt nach einem Raum, in dem sie von einer anderen Person gegen Bezahlung wahrgenommen werden.
Was Stille mit uns macht
Stille dagegen macht es möglich, dass du dein eigenes Denken überhaupt bemerkst. Nur in der Stille kannst du dich selbst hören und herausfinden, was du wirklich willst. Ziele finden, die dir entsprechen und nicht von außen aufgepfropft werden.
In der Stille…
- …begegnest du dir selbst.
- …erholst du dich von äußeren Eindrücken.
- …kannst du heilen, weil dein Nervensystem endlich zur Ruhe kommen kann.
- … fühlst du dich sicher.
- …schärfen sich deine Sinne und deine Wahrnehmung.
- …geht der Tagträumer-Modus an, indem dein Gehirn Ideen entwickeln und Emotionen verarbeiten kann.
- …gelingen sozial erfüllende Kontakte.
- …bist du fähig Probleme zu lösen.
- …findest du deinen eigenen Rhythmus.
Wie geht es dir mit Stille? Mit dem Nichtstun? Mit dem einfach nur da sein? Mit dem Tagträumen? Vielleicht magst du es ja demnächst einmal ausprobieren. Allein bei dir zu Hause oder in der Natur. Schreib mir doch, wie es dir damit gegangen ist!