Letztes Wochenende habe ich meinen ersten Fortbildungs-Workshop für Kolleginnen veranstaltet und war ziemlich aufgeregt. Ich hab schon Tage davor schlecht geschlafen und hatte ständig kreisende Gedanken im Kopf mit letzten ToDos und Dingen, die vielleicht schon schief gehen könnten.
Es ist dann alles ganz wunderbar gelaufen, mit einer großartigen Gruppe und sehr sehr schönem Feedback. Trotzdem hatte ich die zwei Tage kaum Hunger, hab meistens aufs Trinken vergessen und war auch noch nach Ende der Veranstaltung „unter Strom“. Am liebsten hätte ich dann mein Energiedefizit mit möglichst viel Schoki uns Keksen beruhigt und mich damit für die Anstrengung belohnt. Eine kleine Nagelhautverletzung an meinem Daumen hat sich gleich einmal entzündet und beginnt erst jetzt zu heilen. Am Tag nach dem Workshop war ich dann sehr müde und mein Körper hat Zeit gebraucht, alles im wahrsten Sinn des Wortes „zu verdauen“.
Nervensystem im Selbstversuch
Hier hat mir mein Nervensystem eindrucksvoll gezeigt, wie es arbeitet.
Unter Anspannung werden alle unsere Ressourcen gebraucht, um mehr Blut vom Herzen in die Muskeln zu pumpen. In meinem Fall wurde auch das Gehirn besser versorgt, damit ich nichts vergesse und alles parat habe, was ich im Kurs vermitteln will. Ich war also in einem kampf-/fluchtbereiten „High alert“ Zustand.
Die Schattenseite dieses Zustands: Meine Verdauung war verlangsamt, Nahrungsaufnahme nicht so wichtig. Auch für die Selbstheilung war keine Zeit. Am Abend hat mein überlastetes Gehirn dann aufgezeigt und vehement mit einem „Zucker-Craving“ (Sucht) nach Dopamin (Belohnung) verlangt.
Soziales Nervensystem auf Stop
Was gerade in einer Workshop-Atmosphäre hinderlich ist: Hochaktiviert fällt es dem Nervensystem auch schwerer, soziale Beziehungen einzugehen. Wundert euch also nicht, wenn eure Vortragenden am Anfang eines Kurses manchmal nicht gleich so zugänglich wirken, wie ihr das euch vielleicht wünschen würdet 😉
Ich hatte das große Glück, dass mir die Gruppe dennoch Vertrauen geschenkt hat. Nach der anfänglichen Aufregung konnte ich mich in meinem Workshop dann so richtig wohlfühlen und mit den Kursteilnehmerinnen in guten sozialen Kontakt gehen.
Zurück in die Wohlfühlzone
Nun, ein paar Tage danach, hat sich alles wieder eingependelt und ich bin in meinen Alltag mit den täglichen Ups and Downs zurückgekehrt. Ich esse und trinke normal, die kleine Wunde am Daumen ist verheilt und mein Schlaf hat mich wieder.
Was aber, wenn ich mich gleich in das nächste stressige Ereignis stürzen müsste? Oder, wenn mir mein Alltag einfach keine Pausen gönnen würde? Viele von uns leben ihr Leben im Dauerstess und verlangen ihrem Körper damit einen hohen Tribut ab. Die Folge sind Selbstvernachlässigung, der Verlust sozialer Beziehungen, Verdauungsprobleme, chronische Krankheiten, und Süchte.
Wie sieht die Balance zwischen Anspannung und Entspannung in deinem Leben aus? Gibst du dir die Erlaubnis, mehr Raum in dein Leben für dich selbst und deine Bedürfnisse zu schaffen? Schreib mir doch!