Die Forschung in der Neurowissenschaft zeigt, dass nicht dein Gehirn darüber entscheidet, ob du glücklich bist, sondern dein Körper. Dein Körper bestimmt also, wie du dich im Alltag tatsächlich fühlst. Dein Gehirn befindet sich in völliger Dunkelheit in deinem Schädel. Es hat keinen direkten Zugang zur Außenwelt. Jede Information, anhand derer es entscheidet, wie du dich fühlst, stammt von deinem Körper und deinen Sinnen.
Du glaubst mir nicht? Neurowissenschaftler António Damásio hat schon 1994 in seinem Standardwerk „Descartes’ Irrtum“ mit dem Vorurteil aufgeräumt, dass Geist und Körper getrennt voneinander existieren. Er erklärt, dass Reize aus der Umwelt zuerst unbewusste Reaktionen im Körper auslösen (z. B. Herzklopfen, Muskelanspannung, flacher Atem). Das Gehirn liest diese Veränderungen aus dem Körper aus und übersetzt sie in ein bewusstes Gefühl (z. B. Angst).
Was die Forschung dazu sagt
Dein Körper führt also nicht nur Anweisungen des Gehirns aus, sondern steuert die Schlussfolgerungen des Gehirns. Das wurde auch praktisch erforscht und führte zu spannenden Ergebnissen:
In einer MIT-Studie von Joshua M. Ackerman wurden Personen, die über den Kauf eines Autos verhandelten, entweder auf einen harten oder einen weichen Stuhl gesetzt. Diejenigen auf den harten Stühlen boten während der Verhandlung deutlich weniger Geld an. Das körperliche Gefühl der Härte machte ihr Denken unbewusst starrer und weniger flexibel.
In einer Yale-Studie von John Bargh sollten Menschen vor einem Treffen eine warme oder eine kalte Tasse Kaffee in der Hand halten. Die Menschen mit der warmen Tasse bewerteten ihren Gesprächspartner anschließend als herzlicher und freundlicher als diejenigen, die ein kaltes Getränk in der Hand hielten. Die Temperatur in ihrer Hand veränderte eine soziale Beurteilung in ihrem Gehirn.
Wie du deine Emotionen regulieren kannst
Dein Gehirn aktualisiert also ständig, wie du dich fühlst, basierend auf körperlichen Reizen – was du berührst, wo du bist, wie du dich bewegst, was deine Sinne wahrnehmen. Und das kannst du bewusst nutzen, um dich deine Emotionen zu steuern.
- Wähle eine nährende Umgebung
Der Umweltpsychologe Mathew P. White hat herausgefunden, dass der Aufenthalt in der Nähe von Wasser, sogeannen „Blue Spaces“ das Wohlbefinden signifikant verbessert. Ihr Nervensystem reagiert dabei auf die sensorische Umgebung.
- Probier etwas Neues aus
Jordi Quoidbach wies in seiner Studie zur „Emodiversity“ nach, dass Abwechslung im Alltag und der Besuch neuer Orte Menschen messbar glücklicher macht. Schon ein anderer Weg zum Einkaufen, ein neues Café oder Essen, das man noch nie probiert hat erzeugt neue Sinneseindrücke. Das regt das Gehirn dazu an, aufmerksam zu sein und neue neuronale Verbindungen zu knüpfen.
- Beweg dich
Marily Oppezzo von der Stanford University hat erforscht, dass Menschen, die auf einem Laufband gingen, fast doppelt so viele kreative Ideen entwickelten wie Menschen, die still saßen. Dies geschieht, weil körperliche Bewegung den motorischen Kortex aktiviert, der eng mit der Art und Weise verbunden ist, wie das Gehirn unsere Gedanken organisiert.
- Berühre bewusst
Alles, was du in der Hand hältst oder bewusst berührst, beeinflusst deine Stimmung. Gewicht, Temperatur, Beschaffenheit – ein warmes Getränk, eine weiche Decke, nackte Füße auf Gras. All das sendet Signale an dein Gehirn und erzeugt Emotionen.
Wenn du mit Affirmationen, also positiven Gedanken an deinem Mindset arbeitest, um dich besser zu fühlen, nutzt du also nur die Hälfte deines Systems. Dein Körper ist die andere, viel mächtigere Hälfte. Er ist ein mächtiges Werkzeug, mit dem du auch ganz einfach positive emotionale Signale erzeugen kannst. Dafür musst du nur lernen, mit ihm zu arbeiten, anstatt ihn zu umgehen.
Wo du mehr dazu erfährst
Unsere Stimmung, unser Stresslevel und unsere Fähigkeit zur Ruhe, all das ist im Körper verankert. Wenn du beruflich mit Menschen arbeitest und dich näher mit dem Thema befassen möchtest:
In meinen Workshops lade ich dich ein, deine Präsenz, traumasensible Berührung und dein Nervensystem zu nutzen, um Emotionen bewusst wahrzunehmen. Es geht um:
- Körperwissen als diagnostisches Werkzeug
- Eigene Regulation & Selbstfürsorge
- Präsenz als Haltung
- Sprache für körperliche Prozesse
- Vertrauen und Kontrolle erspüren
Die aktuellen Termine findest du hier: Workshops